Nähen

Stoffwechsel: Mein Steckbrief

Vorwort: Den Ruf der Turnbeutelvergesserin habe ich wohl mittlerweile sicher, was? Nachdem ich bei der letzten Edition des Stoffwechsels bereits ständig zu spät dran war, habe ich es dieses Mal geschafft, meinen Artikel auf das falsche Wochenende zu timen und mich den ganzen Abend nach Offlinetown zu verabschieden. Ein großes SORRY an Frau Siebenhundertsachen und Danke für die Nachricht!

Was nähst du am liebsten für dich?

Ich habe mich nach einer heftigen Kleiderphase in den letzten Jahren mittlerweile ziemlich sicher in das Lager der Rock- und Topnäherinnen eingeordnet, weil es sich in meinem Leben einfach als praktischer erwiesen hat, einzelne Teile eines Outfits auszutauschen, nachdem sie Feind-/Pony-/Fahrradkontakt hatten. Außerdem hat eine kurze Auswertung meiner Nähstatistik ergeben, dass ich mit großer Vorliebe Jacken und Mäntel nähe und die meisten meiner liebsten und meistgetragenen Nähprojekte Jacken waren.

Hast du dir für diese Frühjahrs/Sommersaison Pläne gemacht, etwas bestimmtes vorgenommen? Was wirst du wohl als nächstes nähen wollen?

Tatsächlich hege ich schon länger den Wunsch, einen schlichten, kragenlosen Sommermantel zu nähen – so in etwa wie die Jacke Cloë von La Maison Victor (allerdings mit Reißverschluss und gradem Saum!):

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Außerdem plane ich, einen Schwung Shirts und schlichte Röcke zu nähen, um ein bisschen Variation in meine Origamirock-Uniform zu bringen.

Die Glaubensfrage: Webstoff oder Jersey? Oder doch beides?

Ein klares “beides”, vielleicht mit einer leichten Tendenz zu Jerseystoffen.

Welches Material vernähst du am liebsten (z.B. Viskose, Baumwolle, Wolle, …) – gegen was hast du eine (starke) Abneigung?

Ich interessiere mich derzeit vor allem für Stoffe, die eine interessante Struktur haben, wie zum Beispiel der gequiltete Poly-Jersey, aus dem ich zuletzt mehrere Kleidungsstücke genäht habe:

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Sehr begeistern kann ich mich auch für die Haptik von Leinen, Chambray, Feincord (eine Idee, auf die mich übrigens erst mein letzter Stoffwichtel gebracht hat!), Swiss Dot (=Ausbrenner?) und grob gewirkten Strickstoffen. Kurz gesagt: Alles, was eine besondere Struktur hat und sich gut mit schlichten Schnitten und klaren Linien verträgt, ist bei mir derzeit angesagt.

Überhaupt nicht anfreunden kann ich mich im Moment mit Viscose. Ich bin eindeutig zu ungeduldig und zu ungeschickt im Einstellen der Maschinen für die Arbeit mit so feinen, rutschigen Stöffchen.

Was sind deine Lieblingsfarben, welche stehen dir gut? Welche gehen gar nicht?

Achtung, jetzt wird es furchtbar langweilig: Ich trage im Moment – auch außerhalb des Me Made May – fast nur schwarz, grau und beige und ein kleines bisschen hellrosa. In diesen Farben fühle ich mich aktuell einfach am Wohlsten. Mir wurde ab und an gesagt, dass mir schwarz auch gut stehe, ich bin aber durchaus offen für die Vision meines Stoffwichtels! Kräftige Rosa- und Orangetöne erscheinen mir allerdings bei meiner stets leicht angestrengten Gesichtsfarbe etwas ungünstig zu sein.

Welche Muster magst du? Groß oder klein? Blumen, Streifen, Punkte? Oder sind Muster vielleicht gar nicht so deins?

Im Moment bin ich eher so der Uni-Typ und gar nicht so wild auf Muster. Am ehesten geblieben ist meine Vorliebe für Blockstreifen und geometrische Muster, so wie bei diesem festen Jersey, den ich einmal auf dem Stoffmarkt erstanden habe…

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…oder dem Ikat-Stoff, den ich neulich zu einem Grainline Moss Skirt verarbeitet habe:

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Was sind die Kleidungsstücke, die dir (in letzter Zeit) in deinen Augen am besten gelungen sind? (Bitte mit Link oder Foto) Sind welche dabei, die du vor allem wegen ihres Stoffes magst?

Tatsächlich liebe ich meine Gequilteten Sweatshirts sehr, weil der Stoff die perfekte Kombination aus schlicht und trotzdem interessant ist und außerdem die nötige Festigkeit hat, um Schnittdetails wie beim Origami-Rock hervorzuheben. Auch wenn der Stoff etwas weniger hochwertig ist, mag ich auch mein zweites unpraktisch-kurzes Linden Sweatshirt sehr, weil der grob gewirkte Stoff so eine interessante Struktur aufweist.

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Wieviel Stoff verbrauchst du ca. für einen Rock, ein Oberteil, ein Kleid?

Für einen kurzen Rock oder ein Oberteil mit kurzen Ärmeln rechne ich meistens mit 1,2 Metern, bei längerem Saum oder Ärmeln mit 1,5 Metern. Kleider nähe ich ja im Moment eher selten, aber wenn, dann verbrauche ich meistens 1,8-2 Meter.

Gibt es sonst noch etwas, das dich als Näh-/Stofftyp in deinen Augen ausmacht?

Ich glaube, dass ich ein furchtbar langweilige Stoffkäuferin und Näherin bin: Ich nähe gerne zu Zeit gerne schlichte Schnitte (Shirts, Röcke, Sweatshirts, …), maximal mit einem spannenden Detail wie einer großen Falte oder einer kleinen Kräuselung, bevorzugt aus einfarbigen oder maximal zweifarbig gemusterten Stoffen. Auch wenn ich aus freien Stücken nur ungern meine monochromatische Komfortzone verlasse, bin ich aber sehr gerne bereit, mich der Vision meines Stoffwichtels anzuschließen und etwas Neues zu probieren – genau das macht für mich den Reiz am Stoffwechsel aus!

Ich danke ganz herzlich Frau Siebenhundertsachen und Lotti für ihre Orgamühen und bin gespannt, was passiert!

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