Nähen für Zwischendurch: Grainline Scout Tee

Früher habe ich immer innerlich die Augen verdreht, wenn jemand mein Nähbloghobby mit den Worten “Da hätte ich ja keine Zeit für.” (wahlweise auch: “Für sowas hätte ich ja keine Zeit!”, “Woher nimmst du nur die Zeit?” oder “Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich das auch machen!”) kommentierte. Irgendwann stellte ich fest, dass ich selber begonnen hatte, diesen Satz anzuwenden – bis mir ein schlauer Mensch die Antwort gab, die ich früher auch gerne ab und zu gegeben hätte: “Man muss sich die Zeit halt nehmen.”. Erwischt.

Und weil ich doppelt konsequent bin, habe ich diesen klugen Satz gleich in die Tat umgesetzt und mir anstatt für Statistik-Lernsessions Zeit fürs Nähen genommen. (Und fürs Wäschewaschen und Kühlschrank Abtauen und Staubwischen.) Dabei herausgekommen ist ein nach Nähnerd-Maßstäben wahrscheinlich überaus unspektakuläres Teil, aber eben auch die Feststellung, dass ich dringend wieder häufiger nähen sollte. (Vielleicht besser nach der Klausur.)

Das fertige Projekt ist wahrscheinlich das am schwerstern zu fotografierende, das ich mir hätte aussuchen können: Ein Grainline Scout Tee in schwarzem “Swiss Dot” (wie heißt das dünne Zeug mit den Noppen auf Deutsch?), den ich lustigerweise tatsächlich vor vier Jahren in meinem damaligen Zuhause in der Schweiz gekauft habe. Da es sich um ein spätabendliches Prokrastinationsprojekt handelte, musste ich bei der Verarbeitung wie schon bei dem NFA-Schlafanzug auf meine Overlock verzichten und habe alle Nähte als Kappnähte verarbeitet.

Schwarzes Shirt in schwarzer Nacht

Wie bei allen Grainline-Projekten, die ich bisher in Angriff genommen habe, habe ich entsprechend der Maßtabelle Größe 6 ausgewählt, ohne Änderungen zugeschnitten und bin sehr zufrieden mit dem Sitz (wobei bei einem weit geschnittenen Shirt natürlich auch nicht viel schiefgehen kann).

Ein bisschen zu kalt ist es derzeit natürlich noch, um das Shirt alleine zu tragen – aber ich bin der festen Überzeugung, dass der Frühling um die Ecke kommen wird, sobald ich meine Lernhöhle mein Arbeitszimmer endlich offiziell verlassen darf.

giphy